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Ungarn-Urlaub

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IMAG0421Urlaub- welch verlockendes Wort, welche Verheißungen hinter den Buchstaben lauern! Und welche Genugtuung wenn er dann endlich herangekommen ist, der Urlaub, erst so lange fern und plötzlich fast erschreckend schnell vor der Tür stehend, wenn die Koffer noch längst nicht fertig gefüllt sind. Unausgesprochene Erwartungen an eine der schönsten Zeiten des Jahres gehen bei Sonnenschein, Badevergnügungen, geruhsamen Unternehmungen und deftigem Essen in Erfüllung und zaubern ein dauerhaftes Lächeln in Gemüt und Gesicht.

IMAG0386Endlich wieder Zeit für einen Ungarn-Urlaub. Diesmal im Kreise der Familie. Das Wetter meint es gut mit uns. Tagsüber ist es heiß und sonnig, des nachts kühlt sich das Land mit teils heftigen Gewittern und Regengüssen ab, die wir mit wohligem Schaudern von unseren Betten aus im Schlummer belauschen.
Für mich sind die meisten Flecken in Iregszemcse, Siófok & Umgebung mit wunderbaren Erinnerungen an vorangegangene Urlaube verknüpft und so ist es für mich weniger ein Urlaub des Neu-Entdeckens als ein traumwandlerisches Genießen des wohltuenden Moments und stetes Schwelgen in Gedanken an hier bereits erlebte ebenso traumhafte Momente.

IMAG0431DSCI5013Wiederfinden bekannter Ecken auch in Budapest. Im Café auf der Fischerbastei spielen noch immer die drei ungarischen Musikanten mit Geige, Kontrabass & Cimbalo auf während man mit einem Eiskaffe den atemberaubenden Blick hinab auf die Donau & das am anderen Ufer liegende prächtige Parlament genießt. Auf der Margareten-Insel tummelt sich eine bunte Menschenmenge auf dem Rasen & den Wegen zwischen den noch bunteren Blumenrabatten. Zur vollen Stunde dann ein wunderschönes Springbrunnenspektakel im großen Becken: unzählige Wasserfontänen im Zusammenspiel perfekt komponiert zur Musik von Brahms, Liszt, Verdi & den Rolling Stones.
Ach Budapest ist immer eine Reise wert! Ich liebe diesen unvergleichlichen Charme! Dem abgetragenen melancholischen Gewand der Stadt aus wehmütiger Tradition, bewegter Geschichte, verblichener architektonischer Kunst und glanzvoller Kultur fehlt nie das Augenzwinkern jugendlicher Leichtigkeit, mutiger Moderne, ausdrucksstarken Designs und ein Hauch herzlichen Laissez-fairs.
Auf einem Markt junger Gestalter erstehe ich ein herrliches Kleid- ein wundervolles Einzelstück im sommerlichen Stil lässiger Folklore. Die Bootsfahrt auf der Donau selbst ist nett, reißt mich aber nicht so vom Hocker wie manch einen anderen Mitfahrenden. So kann man meiner Meinung nach die reizvolle Schönheit des Stadtpanoramas jeweils von der anderen Uferseite aus ebenso vortrefflich bestaunen und sieht sich dabei dem ewigen Geschaukel nicht ausgesetzt. Dem Wunsch einer länger währenden Tour auf der Donau zwecks Besichtigung längerer Strecken des Fluss- aber vor allem Uferverlaufes bin ich dennoch äußerst zugetan.

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Tihany ist wie immer ein Traum! Im Zuge der Balatonüberquerung bin ich mit meinem Auto das erste Mal auf der Fähre gefahren. Überhaupt ist mein Mondeo (nach R.) der beste Reisebegleiter überhaupt! Und super-bequem!

DSCI4833Und Gott-sei-dank gibt es in Ungarn an den meisten Stellen Handyempfang, so dass meine zu Hause gebliebenen Lieblingsjungs immer ganz aktuell mitbekommen wo ich gerade herumstreune…

Ach übrigens: UNBEDINGT zu empfehlen: ein Besuch auf der Burg in Szigliget. So einen wahnsinns-Ausblick hatte ich glaub ich noch nie in meinem Leben!

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nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

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IMAG0437Nun sitze ich hier in Ungarn auf der Badeteich-Terrasse vor dem Notebook und sitze und sitze und weiß vor Schreck gar nicht so genau, was ich schreiben soll. Dabei bin ich so voller Gedanken! Aber ich weiß halt nicht so genau, wo ich anfangen soll zu schreiben, denn nach der Kreuzfahrt im Mai/Juni ist viel passiert!

Schließen wir also am besten direkt nach der Kreuzfahrt an: Wie immer nach einer längeren Abwesenheit warteten daheim viele liegengebliebene Aufgaben in Haus und Hof. Ich war froh dass ich schon vorher geplant hatte, die Pferde erst zwei Tage später wieder zu mir zu holen, sodass ich vorher genügend Zeit hatte, Stall, Paddock & Koppel wieder herzurichten und insgesamt noch ein/zwei klare Gedanken zu fassen. Auf Arbeit war wieder kunterbunt viel los, daher war der Erholungseffekt der Kreuzfahrt recht schnell wieder verflogen und der Alltag brach so rasch und gewaltsam über den ersten Tag herein, dass mir die Reise noch mehr wie ein Traum vorkam.
Nordstern & Aramis benahmen sich bei ihrer Abholung vorbildlich & gingen ohne Beanstandung in Wawi auf den Hänger herauf und in Knauthain gesittet wieder herunter. Die beiden waren während ihres Urlaubs auf dem Bauernhof bei durchgängigem Weideaufenhalt umfangsmäßig in Bauchhöhe um diverse Zentimeter gewachsen und haben die Zeit ganz offensichtlich genossen. Herzlichen Dank noch mal an die Wadewitzer Gutsherren & -herrinnen für die liebevolle Pflege!

In abendlicher Heimarbeit wurschtelte ich mich durch die lange Liste von unbeantworteten Emails und erhielt dabei eine Nachricht, die mein Leben ganz schön ungeplant verändert hat. Über einen etwas weiteren Umweg lernte ich in Wawi nämlich jemanden kennen, der bei mir direkt um die Ecke (oder eher direkt hinter der Bahnschiene) wohnt und innerhalb kürzester Zeit zu meinem weltmeisterlichen Mr. Feels-like-coming-home geworden ist. Ich bin also von nun an zu zweit. Für einen Freiheit-liebenden absoluten Individualisten wie mich eine ziemliche Umstellung – aber ein rundum tolles Gefühl! (außer das mit dem zeitigen Aufstehen… das Angleichen vom Tagesrhythmus fällt mir dann doch ziemlich schwer 😉 )

IMAG0297IMAG0299Nach gefühlten EWIGKEITEN habe ich mit dem besten R. der Welt die alten Zeiten aufleben lassen & war eines schönen Freitagabends mal wieder aus. Nach Vorglühen mit Shisha & Hugo auf R.s Balkon mit Blick auf das Völkerschlachtdenkmal besuchten wir das altbewährte NightFever. Dass unter den ersten Gesichtern, auf die man dort traf sofort alte Bekannte sein würden, hatte ich fast schon irgendwie geahnt… Es war jedenfalls wunderbar: heiß, dunkel, voll, klebrig & musikalisch ausgewogen gut! Außer drei ganz kurzen Pausen tanzten R. & ich durch, waren erst nach vieren wieder daheim & hatten am nächsten Morgen trotzdem wir solche nächtlichen Aktivitäten wirklich nicht mehr gewohnt sind keinen Muskel- oder sonstige Kater.
Achja… der nächste Morgen… da stand ich pünktlich 10:00 Uhr, nachdem ich schon die Pferde versorgt und eine Fuhre Heuballen vor mein Tor gekippt bekommen hatte, inmitten von 600 Schafen & Zeigen und versuchte bei der Impfaktion behilflich zu sein. Am Wochenende davor hatten wir die guten Tierchen bei einer Großaktion im Sonne-Regen-Gewitter-Mix schon entwurmt und somit kann ich inzwischen behaupten, jedes Mitglied der Herde mal angefasst zu haben…

Ungarn für Anfänger VI ODER „die Kunst, ein Auto zu starten“

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A. ist ein guter Autofahrer. Sicher und bequem chauffierte er uns ohne große Pause von Deutschland zum ungarischen Zielort, in Ungarn hin und her und wieder nach Deutschland zurück. Running Gag beim Autofahren war, dass der Mercedes immer wieder die Macke hat, dass er beim Starten, zwar den Motor anwirft, aber die Elektronik nicht anschaltet. Das sieht de facto so aus, dass man zwar fahren könnte, aber weder Blink- noch Bremslicht, kein Radio, Navi, etc.p.p. Funktioniert. Ich kannte dieses Phänomen bereits von vorherigen Fahrten mit Mr. Romance, aber spätestens beim zweiten Startversuch war immer alles i.O.gewesen. A. jedenfalls saß nach dem Startversuch immer vor dunklen Displays, auch nach dem zweiten und dritten Versuch. Selbst beim vierten Mal klappte es nicht. Da musste erst Mr. Romance vom Beifahrersitz aus grinsend den Schlüssel in die Hand nehmen, die Türen per Knopfdruck ver- und wieder entriegeln, dann machte er einen lässigen Schlenker mit der linken Hand und das Auto sprang fehlerfrei an. Natürlich versuchte A., genau das gleiche Procedere nachzuahmen, aber es misslang jedes Mal, obwohl er -soweit ich das beurteilen konnte- haargenau alles machte, wie der Autobesitzer persönlich. Von meinem sicheren und bequemen Platz auf der Rückbank aus war dieses Phänomen vergnüglich anzusehen, aber ich kann mir vorstellen, dass es für A. auf Dauer recht frustrierend war, deshalb wagte ich auch keinen einzigen Versuch mit meiner Handführung. Sieben Tage lang musste A. vor dem Losfahren immer auf Mr. Romances Start-Assistenz warten oder ohne Brems- und Blinklicht zum Brötchen-Holen fahren. Alle Kommentare über heimliche Personalisierung des Autos, die besondere Technik des Handgelenk-Schwenkens und so weiter waren schon gerissen worden, doch auf der Rückfahrt, nach dem Tanken in Tschechien, klappte es Wunder oh Wunder: A. steckte den Schlüssel ein (ich hätte ja wahrscheinlich schon nach dem dritten Tag das Versuchs-Handtuch geworfen…) und ZACK! lief der Wagen einwandfrei, wie es sein sollte! Ende gut alles gut! Oder steter Tropfen höhlt den Stein (bzw. lässt das Auto anspringen…).

Ungarn für Anfänger V ODER „Kirschblüten in Ungarn“

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Der Kirschbaum im Garten hat dicke Knospenknollen an den Zweigen als wir in Ungarn ankommen. Meine Begleiter schwärmen mir von üppigsten Kirschernten in jedem Jahr vor, von großen, dunklen und saftigen Früchten. Vom Zuhören läuft einem schon das Wasser im Munde zusammen. Er ist sehr schön gewachsen, der Kirschbaum. Obwohl von professionellem Verschneiden – überhaupt von einem Gesundheitsschnitt – nicht viel zu sehen ist und die Wühlmäuse wohl schon seit Jahren die Autorität des Baumes zu untergraben versuchen, steht er aufrecht und gerade, fast ein wenig trotzig an seinem Platz und streckt sich elegant in die Höhe.

Als wir ankamen, strotzte der Kirschbaum nur so vor prallen Knospen und am Montag schon konnten wir das erste schneeweiße Blütenblatt begrüßen, das sich zaghaft zur Sonne reckte. Nach einem weiteren Tag milder Sonne und Wärme hatten es weitere Knospen der ersten gleichgetan und platzten auf. So konnte ich am Vormittag mein Yoga unter dem Baum mit seinem weißen Tütü vollführen.

Am Donnerstag, noch rechtzeitig vor unserer Abreise, präsentierte sich der Kirschbaum dann in seiner vollen Blütenpracht. Alle Blüten waren weit geöffnet und verzauberten den Garten mit ihrem strahlenden Weiß und einem zarten, süßen Duft. Innerhalb einer knappen Woche war praktisch vor unseren Augen der Baum explodiert und uns sein traumhaftes Festtagsgewand vorgeführt. Wie schön ist doch die Natur!

  

Ungarn für Anfänger IV ODER „die Sache mit dem Gas-Tankstutzen-Adapter-Dings“

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Das Tanken mit Autogas ist eine feine Sache. Die Steuern sind vom Staat relativ niedrig gehalten und der Liter-Preis ist heuer ca. um die Hälfte billiger, als die Benzinpreise. Unser Reisewagen, der silberne Mercedes war von Mr. Romance auf Autogas umgerüstet lassen worden und fuhr nun günstig quer durch Europa.  Als das Auto in Ungarn piepend anzeigte, dass Ebbe im Tank herrschte und wir an die nächste Tankstelle fuhren, kam der große Schreck: der Adapter vom Tankverschluss zur Gas-Tankpistole war weg. Akribisch wurde das Vehikel von unten bis oben abgesucht- erfolglos. Die letzte Erinnerung an das gute Stück führte gedanklich in die Slowakei zurück, aber wir waren in Ungarn und keine Tankstelle an der wir hielten hatte einen passenden Adapter da.

Am Rückreisetag versuchten wir unser Glück noch bei diversen Autoreparaturwerkstätten, doch niemand konnte das fehlende Hilfsmittel beschaffen. Also tankte Mr. Romance schweren Herzens das Auto mit teurem Super auf, aber ganz kampflos wollte man(n) dennoch nicht vom Felde ziehen. Mit der Quittung vom Hinfahrts-Tanken in der Hand besuchten wir in Bratislava die slowakische Tankstelle, an der jener Tank-Schnuffel zuletzt gesehen wurde. Der Tankwart hatte leider keenen Kanister, aber er wollde dor ährwürdschen Schwester helfen… Ach nein, falscher Film 😉

Also, der Tankwart hatte leider unseren Tankstutzen nicht, aber er wollte uns ehrwürdigen Menschen helfen. Und tatsächlich hatte er einen Adapter, der mit Biegen und Brechen ermöglichte, den Mercedes vollzugasen. Dank der noch vorhandenen Tankquittung vom letzten Mal konnte er des weiteren herausfinden, wer uns letztens bedient hatte und während wir noch unseren Kaffee schlürften, kam er an den Tisch und brachte uns, nun schau mal her: den langersehnten Teddybär (ach nee, schon wieder falsch…). Also am Ende war das Gas-Tank-Dings wieder da, wurde euphorisch begrüßt und liebevoll wieder ins Auto-Repertoire aufgenommen. Ende gut, alles gut! ODER Kommen Sie in die Slowakei, ihr Gas-Tankstutzen-Adapter-Dings ist schon da 😉


Ungarn für Anfänger III

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Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte:

   Sommer. Sonne. Tihany.

Traumhaftes Wetter. Gigantische Aussicht bis zu den entferntesten Ufern des Balatons. Zauberhafte Begleitung. Wunderschönes Tihany.

 

 Blick von der Terrasse auf den Sonnenuntergang hinter Iregszemcse. Unten links zu sehen: der tolle Badeteich.

Ungarn für Anfänger II

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Die Nacht war stürmisch. Der Wind brauste in den Baumwipfeln des Parks nebenan und zerrte am Dach. Und am nächsten Tag war es wieder kalt geworden. Große Wolkenfelder wälzten sich über den Himmel und auch wenn immer wieder durch die freien blauen Ecken die Sonne schien, hatte sie doch zu wenig Kraft, um uns auf Pullover und Jacke verzichten zu lassen.

 

Die Männer waren schon sehr früh fleißig. Schon vor dem Frühstück war der erste Teil Mauer verputzt worden und als ich gegen neun in die Wintergarten-Küche kam, waren sie schon mit Essen fertig. Ich fühlte mich ein bisschen Urlaubs-schwer, mein Rücken war verkrampft und so ließ ich den Tag bewusst ruhig angehen. Wenigstens ein kleines bisschen Arbeit konnte ich meinen Gastgebern abnehmen, indem ich mich für den Frühstücksabwasch einteilte. Dann saß ich mit einer Decke um den Schultern im Wind draußen auf der Terrasse mit einer Tasse Schwarztee, schaute über die flachen Dächer zu den zwei Kirchtürmchen hinüber, die alle Viertelstunden mit schönen Schlägen anzeigten und tippte mit vor Kälte steifen Fingern dies und das ins Netbook ein. Nebenbei lief britische Folk-Musik, die mich ein bisschen wehmütig machte – der Wind tat sein übriges. Aber so ein bisschen Sehnsucht nach diesem oder jenem Ort, Mensch, Gefühl oder Erlebnis sagt mir, dass ich nicht träume, dass ich wirklich hier bin in Ungarn, dass ich eigentlich glücklich bin und unheimlich dankbar!