Hengstgrüße – Blondinenwechsel

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Huhu, hier meldet sich endlich wieder der Hengst und zwar mit riesigen Neuigkeiten. Riesig im wahrsten Sinne des Wortes! Denn nach einem Blondinen-Austausch Anfang Mai steht mir jetzt nicht mehr mein eleganter Kumpel Bergkristall sondern ein überdimensionierter Haflinger in der Alltagsbewältigung bei.
Saskia hat mich unfairer Weise gar nicht darauf vorbereitet und kam an einem verregneten Maimittag einfach so mit diesem Riesentrampel angelaufen, steckte ihn in den Paddock und sagte zu mir: “So mein Junge, ihr werdet euch von nun an anfreunden müssen!” Ich war ziemlich aufgebracht über den Neuen in meinem Hoheitsgebiet und zeigte mich mit hoch getragenem Hals, ausdrucksstarkem Trab und provokantem Schnauben von meiner hengstigsten Seite. Selbst Bergkristall, den man ja sonst immer so mädchenhaft zurückhaltend sensibel kennt, machte einen auf starken Kerl, aber als Saskia ihn dann am Strick plötzlich allein vom Gehege wegführen wolle, verließ Blondi jeglicher Mut und er machte ein ziemlich albernes Theater. Das war der Grund wieso ich im strömenden Regen ebenfalls den nassen Grasweg in Richtung Straße mitlaufen musste, denn mit mir an seiner Seite ließ sich Bergkristall wieder problemlos führen (ich habe halt echte Führungsqualitäten).
Auf der Straße war plötzlich wieder der Ex-Chef da und ein großer Hänger. In den wurde Bergkristall mir nichts dir nichts hinein geschoben und Saskia drehte mit mir allein wieder in Richtung Gehege um und ich bin mir sicher, dass ihre Augen und Wangen nicht von dem blöden Regen so nass waren, sondern dass das etwas mit ihrem herzzerreißenden Schniefen zu tun hatte.
Als dieser ganze Kuddelmuddel endlich vorbei war, klärte Saskia mich endlich darüber auf, dass Bergkristall von seinem Besitzer verkauft worden war und nun in sein neues zu Hause umgezogen ist. Dort soll er den anderen Jungs vom Lande mal zeigen wie sich ein weltmänniger Junghengst zu benehmen hat und was gut städtische Erziehung bedeutet. Ich bin zwar der Meinung für so einen Job wäre ich besser geeignet gewesen, aber ich bin sehr froh, dass ich bei meiner Saskia bleiben kann und mich nicht mit solchen vierbeinigen Dorftrotteln herumschlagen muss.
Und obwohl ich Bergkristall oft geärgert und über ihn geschimpft habe, fehlt mir mein Freund wirklich sehr! Saskia sagt, ihr auch. Sie vermisst sein Begrüßungswiehern (zu dem ich mich auch ihr zu liebe nicht herablassen werde) und seine Anhänglichkeit, aber sie sagt, da wo er jetzt wohnt geht es ihm gut & er wird mal ganz groß herauskommen!
Dass nicht nur Bergkristall gut erzogen war, sondern ich auch was gelernt habe, versuche ich Saskia jetzt immer wieder unter Beweis zu stellen. Ich komme schon nach dem 5. Rufen von der Koppel zurück zum Paddock, lasse mir dieses eklige Anti-Fliegen-Zeug problemlos auch an die Ohren schmieren, laufe brav im Kreis an der langen Leine um Saskia herum (das nennt man “longieren” und Saskia sagt, alle gut erzogenen Pferde müssen so was lernen) und stehe beim Hufeauskratzen ganz still.
IMAG0062-1Aber ich wollte eigentlich nicht mit meinem Können und ausgezeichneten Benehmen prahlen sondern noch ein bisschen von dem Neuen erzählen. Er heißt Aramis, wie eines der Musketiere, aber er selbst ist nicht unbedingt ein “Muskeltier”- sondern eher dick. Er behauptet, er hätte nur einen starken Knochenbau, weil sich in seinem Haflinger-Stammbaum in Urgenerationen auch die einen oder anderen Schwarzwälder Füchse finden lassen, die ja als Kaltblüter für ihre kräftigen Knochen bekannt seien, daher sei er auch nicht goldblond sondern eher tief rotfuchs-blond.
Als Aramis zum ersten Mal auf meinen großen Paddock gelassen wurde, wollte ich ihm gleich zeigen, wer hier der Boss ist und habe mich mächtig aufgespielt. Aramis wollte mich eigentlich nur mal kurz anschnuppern, aber ich hab einfach so getan, als hätte er mir direkt einen Fehdehandschuh ins Gesicht geschmissen, und ihm gleich mal prophylaktisch in den Hals gebissen und dann am Schweif gezogen bis es fusselte. Das hat den Hafi aber nicht sonderlich beeindruckt. Dann bin ich wahrscheinlich etwas weit gegangen, denn als ich mich auf die Hinterbeine stellte und meine Vorderhufe auf seinem Rücken ablegen wollte, hat mir Aramis ganz schön eine gepfeffert…IMAG0018
Jetzt haben wir einen Burgfrieden ausgehandelt und weil ich ja ein extrem sozialer Typ bin, haben wir schon am zweiten gemeinsamen Tag aus einem Trog gefressen. Inzwischen machen Aramis und ich fast alles parallel, aber die blinde Harmonie wie zwischen Bergkristall und mir ist natürlich noch nicht da. Saskia freut sich aber trotzdem, dass wir uns inzwischen so gut verstehen – und das ist doch mit das Wichtigste.

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Eine Antwort »

  1. …noch ein bloggendes Pferd – toll!!!

    Mit Moppels kenn ich mich auch aus – meine On-Off-Freundin Else ist als Fohlen in den Zaubertrank gefallen. „Dick“ darf ich nicht sagen, weil sie momentan ohne Fressbremse unterwegs ist, mich also beißen kann 😉

    LG
    Dein Pfridolin Pferd

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